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Autonomes Fahren – so selbständig fahren Autos bereits

Einsteigen, Musik an und am besten ein kleines Nickerchen machen. Ja, so hätten wir das autonome Fahren von Autos am allerliebsten. Aber ganz so einfach machen es uns weder die Autohersteller noch der Gesetzgeber derzeit. Inwieweit ein Auto nämlich wirklich selbst fahren darf und welche Pflichten der Lenker dabei nach wie vor hat, ist streng geregelt. So viel können wir aber schon mal verraten: Einschlafen darfst du hinterm Steuer auf jeden Fall noch nicht – ganz egal, wie weit die Technik der autonom fahrenden Autos bereits ist!

Fast lautlos schweben die fahrerlosen Busse durch die Straßen, Autos gleiten mühelos aneinander vorbei - jede Situation wird im Voraus berechnet und richtig eingeschätzt. Ja, der Verkehr der Zukunft soll ein friedliches Miteinander sein, in dem jeder Verkehrsteilnehmer genug Raum hat und beinahe ohne Hindernis ans Ziel kommt. Unfälle? Die gehören in diesem Szenario längst der Vergangenheit an - zumindest wenn es nach der perfekten Vorstellung davon geht, wie autonomes Fahren unsere Straßen verändern wird.

Ein paar Jährchen brauchen wir bis dahin allerdings noch, denn es dauert im Schnitt zwei Jahrzehnte, bis neue Technologien flächendeckend in alle Fahrzeuge einziehen. Klar, die alten Autos müssen schließlich auch noch ihren Lebenszyklus beenden und wir Menschen sind neuen Dingen gegenüber ja meistens erst einmal kritisch eingestellt. Experten schätzen, dass es also für längere Zeit eine Koexistenz von autonom fahrenden und von Menschen gelenkten Autos auf den Straßen geben wird. Bis dann rund um das Jahr 2050 langsam die selbstfahrenden Fahrzeuge Überhand nehmen werden. Wie schnell das tatsächlich geschehen wird, hängt aber auch maßgeblich von den rechtlichen Bedingungen in den einzelnen Ländern ab.

 

Mehr Sicherheit dank autonom fahrender Autos

Spannend sind sie auf jeden Fall, aber warum ist autonomes Fahren der nächste logische Schritt in der Entwicklung unserer Mobilität? An allererster Stelle steht da einmal die Sicherheit. Für alle, die jetzt die Stirn runzeln: Bei rund 90% aller Unfälle ist menschliches Versagen die Ursache. Wir gestehen es uns ja nicht so gern ein, aber Computer machen ihre Sache schon gut, lernen durch das Sammeln unzähliger Daten, Situationen im Voraus zu berechnen und lassen sich vor allem nicht so leicht ablenken wie wir Menschen. Denn während wir unseren Fokus wegen zankender Kinder auf der Rückbank, einem eingehenden Anruf oder der Wahl des richtigen Radiosenders manchmal nicht zu hundert Prozent auf die Straße richten, macht der Computer nichts anderes als den Verkehr zu überwachen. Viele Unfälle könnten daher mit autonom fahrenden Autos vermieden werden. Damit das aber wirklich reibungslos funktioniert und die Technik nicht versagt, müssen die Autohersteller zuerst immens viel Zeit in die Datensammlung und Entwicklung der Systeme stecken.

 

Autonomie für alle Menschen

Mit selbstfahrenden Autos könnten auch Menschen mobil bleiben oder es werden, die bisher vom Individualverkehr ausgeschlossen waren. Dazu gehören ältere und gebrechliche Menschen, aber auch Personen mit Behinderungen könnten so viel leichter von A nach B kommen und besser am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Auch die Erschließung des ländlichen Raums könnte mit einem flächendeckenden, autonomen Verkehrsnetz endlich gelingen. Lange Staus, rote Wellen an den Ampeln stark frequentierter Straßen und viele andere Dinge, die den Verkehr derzeit oft zähflüssig machen, würden dank untereinander kommunizierender Fahrzeuge der Vergangenheit angehören. Das würde uns viel Zeit sparen und Ressourcen optimal nutzen. Bis zu einem gewissen Grad sind moderne Fahrzeuge übrigens auch heute schon autonom unterwegs. Die Definition kennt nämlich fünf Stufen - und die erste davon haben wir wohl alle schon einmal kennengelernt.

 

Die fünf Level des autonomen Fahrens 

Die Technik der selbstfahrenden Autos lässt sich in fünf Stufen einteilen. An die erste haben wir uns bei Neuwagen schon gewöhnt - Level fünf kommt uns hingegen noch sehr futuristisch vor.

 

Level 1 - die Fahrassistenz
Manche Assistenzsysteme sind für uns schon völlig normal. Da fällt uns gar nicht mehr wirklich auf, dass es sich bei ihnen eigentlich um eine Vorstufe des autonomen Fahrens handelt. Angefangen beim Tempomat bis zur automatischen Abstandsregelung, die immerhin selbständig bremst und beschleunigt, übernimmt das Auto gewisse Funktionen. Der Fahrer oder die Fahrerin bleibt dabei aber Hauptakteur im Cockpit und darf den Verkehr nicht aus den Augen lassen. Assistenzsysteme sorgen schon heute für eine erhöhte Sicherheit auf den Straßen und greifen dann ein, wenn der Mensch zu spät oder falsch reagiert.

 

Level 2 - das teilautomatisierte Fahren

Das Auto übernimmt für kurze Zeit gewisse Aufgaben so selbständig, dass der Fahrer die Hände währenddessen sogar vom Lenkrad nehmen kann. Die Spur auf der Autobahn selbst halten, bremsen und beschleunigen - all das funktioniert unter bestimmten Bedingungen ganz von allein. Ebenfalls als Level 2 eingestuft sind der Überholassistent und das automatische Einparken, das den Wagen selbständig in eine passende Parklücke manövriert. Das können zum Beispiel der Tesla Autopilot oder der Lenkassistent Distronic+ von Mercedes jetzt schon.

 

Level 3 - hochautomatisiertes Fahren

Während du in Fahrzeugen mit Level-2-Automatisierung den Blick immer auf der Straße haben musst und nichts anderes nebenbei machen darfst, ändert sich das ab Level 3. Ab jetzt gilt: die Kinder auf der Rückbank kurz versorgen oder einen Blick in die Zeitung werfen ist ok. Du musst aber sofort reagieren können, wenn dich dein Fahrzeug auf eine drohende Gefahr hinweist. Theoretisch hätte der Audi A8 eine Funktion, die ihn im Stau bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h selbständig fahren lässt. Allerdings sind die rechtlichen Aspekte für den Staupiloten derzeit einfach noch nicht gegeben. Deshalb hat man bei Audi die Bemühungen um die Einführung des Level-3-Assistenten nach jahrelanger Überlegung nun doch aufgegeben.

 

Level 4 - vollautomatisiertes Fahren

Jetzt gibt es für den Fahrer eigentlich nichts mehr zu tun. Er kann sich verhalten wie jeder andere Passagier auch, ein Nickerchen machen oder mit dem Smartphone spielen. Gerät das Auto in einer Situation an seine Grenzen, bringt es ich selbst in einen sicheren Zustand und sucht einen geeigneten Parkplatz.

 

Level 5 - autonomes Fahren

Die Rolle des Fahrers entfällt vollkommen. Das Auto kann hochkomplexe Aufgaben selbst lösen und bewältigt jede Situation im Verkehr. Neben den technischen Aspekten sind hier aber noch viele rechtliche Fragen zu klären. Zum Beispiel, wer bei einem Unfall haftet.

 

Fahrerlos unterwegs - mit Google, VW und Co

Sowohl die großen Autohersteller als auch IT-Firmen wie Google lassen es sich nicht nehmen und forschen intensiv an der Technik, die unsere Autos irgendwann fahrerlos auf die Straßen schicken kann. Google hat dafür eine eigene Tochterfirma, Waymo. Deren Robotertaxis sind bereits seit einiger Zeit im Testbetrieb in Phoenix, wo sie zahlende Kunden transportieren und im Silicon Valley für Mitarbeiter des Unternehmens unterwegs sind. Waren die Taxis anfangs noch nicht vollständig autonom und hatten einen Sicherheitsmann hinterm Steuer, der jederzeit eingreifen konnte, verzichten sie seit letztem Jahr auch darauf. Wer also wissen will, wie es sich ohne Fahrer im Auto anfühlt, sollte sich schleunigst auf den Weg nach Phoenix machen.

In Deutschland dürfen die großen Autobauer vermutlich noch lange keine derartigen Pilotprojekte im Straßenverkehr machen. Dort sammelt man noch eifrig Daten, mit denen man die Systeme autonom fahrender Autos füttern und sicherer machen kann. BMW eröffnete dafür 2018 seinen Autonomous Driving Campus und hat rund 80 Fahrzeuge mit zahlreichen Sensoren im Betrieb. Die Informationsmenge, die dabei zusammenkommt, soll bis zum Jahr 2021 ein Auto mit Level-3-Automatisierung marktreif machen.

Auch bei VW tut sich reichlich in Sachen autonomes Fahren. In Hamburg sind auf einer Strecke von neun Kilometern fünf e-Golf unterwegs, die völlig selbständig fahren - nur ein Sicherheitsfahrer ist hier immer noch mit an Bord. Ausgestattet sind die Fahrzeuge mit zahlreichen Kameras und Sensoren, die Daten und Informationen über Fußgänger, Radfahrer und andere Verkehrsteilnehmer aufnehmen. So kommen pro Minute rund fünf Gigabyte zusammen, aber das Ergebnis ist schon jetzt beeindruckend: Die Fahrzeuge können das Verkehrsgeschehen bis zu zehn Sekunden im Voraus berechnen und entsprechend reagieren.

 

Teslas Autopilot - zwischen Funktion und Kritik

Dass Tesla bereits Erfolge und auch Probleme mit seinem Autopiloten hatte, haben wir wohl alle zumindest am Rand mitbekommen. Nach einigen Unfällen in den USA, geriet das Unternehmen zuletzt in Deutschland in die Kritik und musste sogar vor Gericht, weil die Bezeichnung "Autopilot" irreführend zu verstehen ist. Der Vorwurf: Kunden könnten annehmen, das Auto sei in der Lage, von ganz allein zu fahren und brauche keinen Fahrer. Ganz so autonom sind die E-Autos tatsächlich noch nicht unterwegs. Sie schaffen es auf Level 2 auf der Skala und benötigen daher einen aufmerksamen Fahrer, der seine Anwesenheit in regelmäßigen Abständen durch Druck aufs Lenkrad bestätigt. In welchem Intervall hängt ganz von den rechtlichen Bedingungen des Landes ab, in das der Tesla ausgeliefert wird. Die USA sind da weitaus weniger streng als Deutschland. Hier muss der Fahrer dem Auto alle 15 Sekunden rückmelden, dass er noch anwesend und auf den Straßenverkehr konzentriert ist.

 

Autonomes Fahren in Österreich

Und wie ist das nun in Österreich? Vielleicht überrascht euch das, aber bei uns trat im März 2019 tatsächlich eine Novelle zur Verordnung "Automatisiertes Fahren" in Kraft. Und die erlaubt nicht nur Testfahrzeugen weitaus mehr als bisher, sondern ermöglicht auch die alltägliche Verwendung automatischer Einparkhilfen und sogenannter Autobahnassistenten. Darunter versteht man Systeme, die selbständig beschleunigen, bremsen und anhalten und dabei auch den richtigen Abstand und die Fahrspur einhalten können. Voraussetzung dafür ist, dass der Lenker das Fahrzeug zuerst in den fließenden Verkehr einreiht und bei einem Spurwechsel oder vor Baustellen wieder das Kommando übernimmt. Das heißt also, mit der entsprechenden Technik im Auto und unter bestimmten Bedingungen darfst du beim Einparken und auf der Autobahn tatsächlich die Hände vom Lenkrad nehmen.

Damit bald noch viel mehr möglich ist, forschen zahlreiche österreichische Firmen und Projekte an neuen Entwicklungen und weiterer Technik für selbstfahrende Züge und Busse. Das ALP.Lab, ein Zusammenschluss von AVL, Magna, dem Joanneum Research, Virtual Vehicle und der TU Graz soll die Automatisierung von PKW vorantreiben. Dafür stehen nicht nur eigene Testgelände, Einrichtungen zur Datenerfassung und bestimmte öffentliche Straßen zur Verfügung, sondern auch eine virtuelle Testumgebung und ein Testlabor, das seinesgleichen sucht. Wenn du die Augen offenhältst, triffst du ja vielleicht auf den beiden Teststrecken auf der A2 zwischen Graz-West und Laßnitzhöhe und der A9 zwischen St. Michael und der Grenze zu Slowenien auf ein autonom fahrendes Auto.

 

Sensoren, Daten und 5G ermöglichen Automatisierung

Eins fehlt auf unserem Weg zur Mobilität der Zukunft neben den passenden Fahrzeugen aber noch: Die notwendige Infrastruktur mit zahlreichen Sensoren und Kameras auf sämtlichen Straßen sowie der Ausbau von 5G, damit all diese Daten verarbeitet und die Geräte miteinander kommunizieren können. Das autonome Fahren wird dann vermutlich zuerst streckenweise auf den Autobahnen eingeführt, bevor es irgendwann unser gesamtes Straßennetz erobert. Aber bis dahin vergehen wohl noch ein paar Jahre oder gar Jahrzehnte.

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