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Alles rund ums Pickerl (§57a-Begutachtung)

“Ich muss das Pickerl machen lassen...” Dieser Satz fällt in Österreich unter Autofahrern ganz regelmäßig und wird meist von einem genervten Augenrollen begleitet. Gerade bei älteren Autos zieht die §57a-Begutachtung oft eine Reihe von Reparaturen nach sich, damit das Fahrzeug für den Verkehr zugelassen bleibt. Und die gehen natürlich ins Geld. Dabei sorgt das Pickerl aber für mehr Sicherheit im Straßenverkehr und hat auch noch einige weitere Vorteile. Wir haben alle Informationen zur weißen, grünen oder auch roten Begutachtungsplakette für dich im Überblick.

Alle Fahrzeuge und Anhänger unter 3,5 Tonnen höchstzulässiges Gesamtgewicht müssen in Österreich regelmäßig das sogenannte Pickerl machen lassen. Darunter versteht man eine genaue Begutachtung durch eine dazu befugte Stelle, bei der die Verkehrs- und Betriebssicherheit des jeweiligen Fahrzeugs überprüft wird.

 

Was wird beim Pickerl überprüft?

Bei der Pickerl-Begutachtung werden folgende Komponenten deines Fahrzeugs überprüft:

  • Ausrüstung
  • Beleuchtung
  • Sicherheitseinrichtungen
  • Fahrgestell und Karosserie
  • Reifen und Räder
  • Motor
  • Bremsen

Darüber hinaus wird auch gemessen, ob dein Auto zu viel Lärm, Rauch, Gestank oder Luftverschmutzung verursacht oder ob die festgesetzten Grenzwerte eingehalten werden. Für die Abgasmessung gibt es für Fahrzeuge, die nach dem 1.1.2006 erstmals zugelassen wurden, eine Computerdiagnose. Diese ist weitaus präziser als die vorher übliche Abgasmessung am Endrohr.

Gut zu wissen: In einem PKW musst du das Pickerl-Gutachten nicht ständig mitführen. Das gilt nur für Omnibusse und Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen Gesamtgewicht und bestimmte Zugmaschinen mit mehr als 40 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Welche Fahrzeuge brauchen kein Pickerl?

Folgende Fahrzeuge sind von der regelmäßigen Begutachtung ausgenommen:

  • Anhänger, die eine Geschwindigkeit von 25 km/h nicht überschreiten dürfen.
  • Zugmaschinen mit einer Bauartgeschwindigkeit von bis zu 25 km/h.
  • Selbstfahrende Arbeitsmaschinen und Transportkarren mit einer Bauartgeschwindigkeit von maximal 30 km/h.
  • Motorkarren mit einer Bauartgeschwindigkeit von maximal 25 km/h.

 

Welche Fristen gelten für die Begutachtung?

Wann dein Auto oder Anhänger ein neues Pickerl benötigt, hängt vom Monat der Erstzulassung ab und wie lange diese bereits zurückliegt. Für Neuwagen gilt die sogenannte 3-2-1-Regelung: Drei Jahre nach der Erstzulassung musst du mit deinem neuen Auto zum ersten Mal zur §57a-Begutachtung. Zwei Jahre nach der ersten Begutachtung (also fünf Jahre nach der Erstzulassung) musst du wieder ein neues Pickerl machen lassen. Danach ist die Begutachtung jährlich durchzuführen.

Der genaue Zeitpunkt hängt, wie schon erwähnt, vom Monat der Erstzulassung ab. Für privat genutzte Fahrzeuge gilt eine Toleranzfrist. Diese beginnt einen Monat vor dem Monat der Erstzulassung und erstreckt sich bis zu vier Monate danach.

Beispiel: Dein Auto wurde im März 2012 erstmals zugelassen. Im Jahr 2015 warst du zum ersten Mal bei der Pickerl-Begutachtung, 2017 das zweite Mal und seitdem fährst du jährlich in die Werkstatt für eine neue Begutachtungsplakette. Einen Termin dafür kannst du innerhalb der Toleranzfrist, also jeweils von Februar bis Juli, vereinbaren. Du hast also ein Zeitfenster von insgesamt einem halben Jahr, um dein Pickerl auf dem neuesten Stand zu halten.

Wichtig: Für Mopeds, landwirtschaftliche Anhänger, Taxis und historische Fahrzeuge gelten andere Regelungen und Fristen als für PKW!

Achtung: Die Toleranzfrist ist eine österreichische Regelung, die in anderen Ländern unter Umständen keinerlei Gültigkeit hat. Achte unbedingt darauf, wenn du mit deinem Auto über die Grenze fährst!

Wo kann ich das Pickerl machen lassen und wie teuer ist die Überprüfung?

Du kannst das Pickerl bei jeder ermächtigten Begutachtungsstelle machen lassen. Das sind zum Beispiel:

  • Betriebe wie Kfz-Werkstätten oder Reifenhändler
  • Autofahrerclubs wie der ARBÖ oder ÖAMTC
  • Ziviltechniker
  • Technische Büros

Die Kosten sind abhängig von der jeweiligen Begutachtungsstelle und können mitunter stark variieren. Ein Vergleich zahlt sich also auf jeden Fall aus!

 

Grünes, weißes und rotes Pickerl - wo sind die Unterschiede?

Prinzipiell erhalten mittlerweile alle Fahrzeuge ein weißes Pickerl, weil das Gesetz, auf der die Vergabe der grünen Pickerl basierte, abgeschafft wurde. Solange es noch grüne Pickerl gibt, werden diese allerdings ausgegeben - ihre Farbe hat dabei jedoch keinerlei Bedeutung.

Historische Fahrzeuge erhalten hingegen eine rote Plakette mit der Aufschrift "Historisches Fahrzeug - Historic Vehicle".

 

Pickerl bei historischen Fahrzeugen

Als historische Fahrzeuge gelten all jene Fahrzeuge, die...

  • … im Jahr 1955 oder davor gebaut wurden.
  • … älter als 30 Jahre sind und vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie in die approbierte Liste historischer Kraftfahrzeuge aufgenommen wurden.
  • … nicht für den alltäglichen Gebrauch verwendet werden (der Nachweis erfolgt über ein Fahrtenbuch).

Gilt ein Fahrzeug als historisch, muss es lediglich alle zwei Jahre zur Pickerl-Begutachtung und hat dafür dieselbe Toleranzfrist von insgesamt sechs Monaten zur Verfügung wie andere PKW. Außerdem gelten andere Richtlinien, da nicht wie bei anderen Autos die modernen Standards eingehalten werden müssen, sondern auf die Erhaltung des originalen Zustands geachtet wird. Es wird dabei nur eine größtmögliche Annäherung an die derzeit geltenden Grenzwerte angestrebt.

 

Mein Fahrzeug hat Mängel - was ist jetzt zu tun?

Bei Mängeln am Fahrzeug wird zwischen drei Schweregraden unterschieden: leichte Mängel, schwere Mängel und Gefahr im Verzug. Wie rasch du den Mangel beheben musst und ob du trotzdem noch mit deinem Auto fahren darfst, hängt von der Schwere des jeweiligen Mangels ab.

Leichter Mangel: Der Mangel sollte so bald wie möglich behoben werden, er beeinträchtigt jedoch die Verkehrstüchtigkeit deines Autos nicht. Du bekommst trotzdem das Pickerl ausgestellt. 

Schwerer Mangel: Mit einem oder mehreren schweren Mängeln darfst du mit deinem Fahrzeug maximal weitere zwei Monate ab der Feststellung weiterfahren. Dabei darf jedoch die Toleranzfrist nicht überschritten werden! Du musst alle schweren Mängel innerhalb dieser zwei Monate beheben lassen und mit deinem Auto dann noch einmal zur Begutachtung fahren. Ist alles repariert, bekommst du endlich dein Pickerl.

Gefahr im Verzug: Besteht Gefahr im Verzug, darfst du mit deinem Auto nicht mehr fahren. Seit 20.5.2018 wird diese Information außerdem automatisch an die zuständige Behörde weitergeleitet. Diese übermittelt dir eine Aussetzung der Zulassung und du musst die Kennzeichen deines Autos abgeben. Dies ist jedoch nicht mit einer Abmeldung gleichzusetzen und es kommen deshalb keine zusätzlichen Kosten auf dich zu. Sind alle gefährlichen Mängel behoben und dein Auto positiv begutachtet worden, bekommst du deine Kennzeichen wieder zurück.

 

Besondere Vorführung älterer PKW

Es kann vorkommen, dass für ein Fahrzeug eine besondere Überprüfung angeordnet wird. Dies ist möglich, wenn die Erstzulassung mehr als 12 Jahre zurückliegt oder seitens der Behörde ein Zweifel an der Verkehrs- und Betriebssicherheit des Kraftfahrzeugs besteht. 

 

Unterwegs mit abgelaufenem Pickerl - welche Strafen drohen? 

Wer ohne gültiges Pickerl unterwegs ist, hat mit einer Geldstrafe von bis zu 5.000 Euro zu rechnen. Passiert ein Unfall aufgrund eines Mangels, der bei einer Prüfung festzustellen gewesen wäre, drohen weitere Konsequenzen. Das gilt übrigens nicht nur für den Fahrzeughalter, sondern auch für den Lenker.

 

Was mache ich, wenn mein Pickerl beschädigt wurde? 

Ja, Beschädigungen am Pickerl kommen vor. Zum Beispiel, wenn im Winter etwas zu heftig das Eis von der Windschutzscheibe gekratzt wird. Auch beim Tausch einer kaputten Frontscheibe benötigst du ein neues Pickerl. Aber keine Sorge, du musst deshalb nicht gleich ein gänzlich neues Gutachten machen, sondern kannst dir bei einer Begutachtungsstelle eine Ersatzplakette holen. Dafür benötigst du das letzte gültige Gutachten und den Zulassungsschein Teil I im Original. 

Wichtig: Ist dein Pickerl aufgrund der Beschädigung nicht lesbar, kannst du eine Geldstrafe erhalten!

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